India 1.0 Mumbai - 7.4

Hallo zusammen!

 Im folgenden versuche ich meine Ankunft und ein paar Eindruecke der letzten 4 Tage zusammen zu fassen:

... Ankunft in Indien. Es ist 2:00 p.m.; angenehm warme Aussentemperatur: kein indsches Geld und keine Mastercard in der Tasche.

 

Mein erstes Anliegen war es, an indische Rupien zu gelangen. Mit offenen Augen nach einer Moeglichkeit suchend, die 60 Euro, die ich noch in der Tasche hatte, zu wechseln, verliess ich frohen Mutes den Flughafen. Was mir nicht bewusst war. Einmal aus dem Flughafen raus, durfte ich ihn ohne Flugticket nicht wieder betreten. Sicherheitsleute verwehrten mir den Eintritt.

Mein Glueck war, dass ich kaum eine halbe Minute spaeter einen Mann sah, der auf mich einen recht europaeischen Eindruck machte. Ich sprach ihn an und tadaaa: Ein Deutscher. Er bot mir an, mein Geld im Flughafen zu wechseln und es mir dann rauszubringen und so geschah dem dann auch. ZUM GLUECK!

 

Mein naechstes Ziel war ein guenstiges, aber moeglichst sicheres Hotel. Hierfuer musste ich jedoch zunaechst in die Innenstadt gelangen. Auf dem Weg zur Bushaltestelle, sprach mich ein netter, magerer Inder an und bot mir an, mich zu einer Auswahl von Hotels zu geleiten. Er erklaerte mir, dies sei sein Job und seine Bezahlung ein frei zu waehlender Tip meinerseits.

Zunaechst lehnte ich ab, aber lenkte dann doch ein. Ich hatte natuerlich Sorge, er wuerde mich in einen Hinterhalt fuehren, aber sein Eindruck auf mich war gut und wie er auf meine Skepsis und meine Fragen antwortete, schien mir wenigstens ausreichend vertrauenerweckend - und meine Optionen waren auch nicht gerade berauschend.

Also stieg ich mit ihm in eine Autoriksha und bereits nach 5 min Fahrt erreichten wir ein Hotel. Im ersten Moment bekam ich etwas Panik. Es sah sehr verarmt und bestimmt nicht wie ein Hotel aus. Doch tatsaechlich war da ein Schild, also trat ich ein: Ein kleiner Raum, ungemuetlich, 10 Betten mit 30 cm Abstand und ein Pult, das als Rezeption diente.

Hier wollte ich nicht bleiben! Sie versprachen mir einen sehr guenstigen Preis von nur 1000 Rupien, die Nacht. (Die Hotels, die in meinem Reisefuehrer empfohlen wurden, lagen bei 500-800 Rupien). 

Ich machte meiner Begleitung zu verstehen, dass ich ein anderes Hotel anschauen wolle und lehnte auch das "unglaublich guenstige" Angebot von 750 Rupien ab.

Das naechste Hotel erreichten wir ebenfalls nach einer 7 minuetigen Rikshafahrt. Im Nachhinein stellte sich dieses als perfekt heraus, doch auch hier war mein erster Eindruck, eher ernuechternd:

Alles ist etwas heruntergekommen, keine Moeglichkeiten etwas wegzuschliessen und den Raum, der mit angeboten wurde, teile ich mir mit 7 anderen. Aber die Rezeption schien mir vertrauenserweckender und der Preis von 590 Rupien pro nacht, fair.

Meine erste Frage, als ich eingecheckt und meinen Schlafraum betreten hatte, bezog sich auf die Englischkenntnisse meiner Schlafgenossen. Und ab jetzt  ging es steil bergauf. Schnell gesellten sich 3 Inder um mich. Die Freude  mich kennenzulernen, war so offensichtlich und ihr Interesse an meinem Wohl einfach wohltuend und beruhigend.

Sie fragten mich, wo ich her kaeme, wo ich vorhaette hinzureisen und berieten mich, fast ein bisschen mehr, als mir in meiner Erschoepfung recht war. 

Sie halfen mir eine Zahnbuerste+paste (welche mir am flughafenabegenommen worden waren), Wasser, eine Sim-card zu kaufen und luden mich auf Tee ein.

 

Diese 4 Inder, haben sich alle dort im Hotel kennengelernt:

Benjamin Mattthew ist 31, hat Anglistik studiert, ist Sohn eines christlichen Priesters und es gibt offensichtlich keine groessere freude fuer ihn, als jemandem zu helfen und leute zu treffen. Er hat mir Hilfe in ganz Indien 24/7, sowie kostenlose Kost+Logi in seiner Heimat, angeboten.. um genau zu sein, ist es sein Lieblingsthema.

Rishi werde ich in 4 Tagen in seine Heimat im Norden begleiten. Dies wird eine 2-3 taegige Bahnfahrt fuer etwa 800 Rupien (12 Euro) bedeuten, aber Unterkunft und Logi, sowie Sightseeing sind garantiert.

Abdullah ist Inder, lebt und arbeitet aber in Dubai.

Inder Nr. 4 ist gestern abgereist und ich habe seinen Namen vergessen.

 

Leider wurde ich schon am naechsten Tag fuer eine Unaufmerksamkeit bestraft. Nachdem ich die Nacht kaum geschlafen hatte, bin ich ein zweites Mal eingeschlafen. Leider habe ich meinen bauchguertel mit dem Geld liegen lassen und als ich das naechste Mal reingeschaut habe, fehlten mir 3000 Rupien - 50 Euro. Das war nicht schoen.

 

 

Gestern hatte ich im Vorbeifahren einen Blick auf einige kleinere Slums... 

Wenn ich durch die Strassen laufe ziehe ich natuerlich viele Blicke auf mich und ist es nicht ungewoehnlich von Fremden angesprochen zu werden( Gerne auch von der anderen Strassenseite). Sie fragen wie es mir geht und wohin ich gehe und damit ist das Gespraech auch schon erledigt. Leider koennen nicht alle Englisch. Anfangs hatte ich hatte dabei grosse Bedenken bezgl. meiner Wertsachen. Aber auch heute gehe ich fuer langere Spaziergaenge nicht ohne Pfefferspray alleine raus.

Allgemein machen die Inder aber einen viel entspannteren und juengeren Eindruck auf mich. Selbst alte Menschen wirken agil und haben ein gewisses Strahlen, eine Leichtigkeit an sich. Natuerlich gibt es auch Gegenbeispiele.

Insbesondere im Strassenverkehr sollte man den Indern die Hupen wegnehmen. Sie wird nicht nur gebraucht, um Aerger aus zu druecken, sondern viel mehr, staendig, um zu sagen "HIER KOMME ICH! ACHTUNG!" - auch bei einer leeren Strasse

 

Das indische Essen habe ich (jedenfalls bis gestern) sehr gut vertragen. Sehr fett! Recht Wuerzig! Selten zu scharf! Sehr Lecker!

Ich bereue etwas Cracker und Muesliriegel fuer 20 Euro im Gepaeck zu haben, aber die werde ich jetzt etwas mehr in Gebrauch nehmen.

 

Die Aussentemperatur betraegt um die 30 Grad Celsius. Das bedeutet, dass man sich morgens und Abends sehr gut draussen aufhalten kann. Von 12 - 17 Uhr meiden es die meisten Inder ihr Haus zu verlassen. Ich finde das Wetter eigentlich sehr angenehm. Tatsaechlich fuehle ich mich entspannter denje. Zeit ist irgendwie unwichtig und die Temperaturen den Koerper runterfahren.
Nachts habe ich etwas Schwierigkeiten zu schlafen.. (die 4 Deckenventilatoren laufen auf Hochbetrieb), aber tagsueber kann man das wunderbar nachholen und abends weggehen. Ausserdem nutze ich die Zeit, um Englischvokabeln zu lernen, Musik zu hoeren und zu lesen.
Heute abend werde ich zu den Sehenswuerdigkeiten Mumbais gefuehrt.. u.a. Elephanta Island und the Indian Gate.
 
Trotzdem freue ich mich, weiterzureisen. Gefuehlt bin ich hier schon einen Monat und glaube, dass woanders mehr auf mich wartet. Kulturell, Historisch, Natur.

 

1 Euro - 60 Rupien

Eine Flasche Wasser kostet 20 Rupien. Ein Friseurbesuch 60. Eine kleine strassenmahlzeit 30. (sehr suesser) Tee am Morgen ebenfalls 20 - 30.

6km Riksha fahren 90 Rupien. Eine Flasche Bier in einer Bar 200 Rupien. Halbe Stunde Cyber coffee 30 Rupien. Flip Flops 120 Rupien.

 

Ich glaube, soweit erstmal.

 

Liebe Gruesse.

 

Michael

13.4.15 16:12, kommentieren