India 1.3 : Mclodganj, Manali, Shimla.. 6.5.2015

Hallo zusammen, es ist 11:10 Uhr a.m. Ortszeit in Shimla.

Ich sitze in einem fuer Indien typischen Cyber-cafe und weiss noch garnicht so richtig, was ich schreiben soll.

Es geht mir gut. Ziemlich gut sogar. Soeben habe ich unwiderruflich geloescht, was ich die letzte halbe stunde zu stande gebracht habe...

Ich koennte beschreiben, wie ich in Mcloudganj von einer Affenmama bedroht wurde, weil ich mich unsensibel und geil auf coole Affenfotos in die Mitte ihrer Familie begeben habe, in Kangra das aelteste Fort Indiens besucht habe. Schreiben, dass ich das Essen immer mehr geniesse, dass die Natur mit Fluessen, Wasserfaellen und der Kontrast von Bergen mit Schnee und Wald wunderschoen ist und die grossen, wie die kleinen Voegel sich meist in Farbe und Aussehen von denen in Europa unterscheiden. Dass die kleinen Doerfer um die touristischen Staedte, die perfekten Orte sind, um sich wirklich und ich meine wirklich, zu entspannen. Rafting (Schlauchboot fahren, auf einem rauschenden Fluss) macht Spass und Zorbing (in einer aufgeblasenen Kugel einen Hang herunterrollen) ist sicherlich eine witzige Erfahrung...

 

Doch scheint mir das ganze im Moment nicht sehr wichtig. Es ist schwer zu greifen, was in mir vorgeht. Manchmal geniesse ich es, alleine unterwegs zu sein, mich mit niemandem absprechen zu muessen und Zeit zu haben, um zu beobachten, was in mir vorgeht. Manchmal wuensche ich mir vertrauten Kontakt und wenn ich dann Leute treffe und mit ihnen Zeit verbringe, ist das immer ein Vergnuegen.

(Mit erwachsenen Indern, die am Tag zuvor das erste Mal Schnee gesehen haben, in diesem zu spielen, ist etwas, dass jeder mal gemacht haben sollte). Ich habe mir ein Notiz/Tagebuch gekauft, um gelegentlich zu notieren, was ich fuer wichtig halte.

Das erste Mal in meinem Leben, schreibe ich so etwas, wie kleine Gedichte (die sich bisher nicht reimen) - Ich glaube, ich habe eine 14 jaehrige Schreibblockade ueberwunden :D

Ich habe gelernt/mir angewoehnt, hier niemanden zu glauben. Das meine ich garnicht boese, aber ich habe einfach mehrfach die Erfahrung gemacht, dass ich selbst entscheiden muss, was fuer mich sehenswert und komfortabel ist. Wenn man aber auf Inder trifft, die sich wirklich einfach mit dir unterhalten wollen, ist das oft sehr angenehm. Der Umgang ist sehr herzlich und weich und es macht ihnen offensichtlich Freude, dir ihr Land und ihre Kultur zu praesentieren. Manchmal habe ich aber den Eindruck, dafuer bewundert oder wenigstens beneidet zu werden, dass ich um die Welt reisen kann, selbst entscheiden kann, was ich nach der Schule mache und insbesondere das Thema Frauen, ist fuer viele Inder interessant.

Diejenigen, die noch nicht verheiratet sind, sehnen sich offensichtlich sehr stark nach sexuellem Kontakt, was aber ohne die Frau, die man spaeter heiratet, ausgeschlossen ist (es seie denn, man sucht sich professionelle Aushilfe). So haben angeblich viele junge Inder die ersten Erfahrung in der Hinsicht, mit anderen Jungs. Und die Muslime im Sueden Indiens heiraten uebrigens ausschliesslich ihre Cousinen.

Diese Moeglichkeiten und Freiheiten zu besitzen, ist mir in der Situation doch recht unangenehm. Ich will es nunmal nicht leichter gehabt haben/ haben, als jemand anders. Aber das ist wohl einfach so, oder nicht?! Tatsache ist: Das Kastensystem wirkt auch heute noch, wenn auch nicht mehr so extrem. Jedenfalls bin ich doch manchmal dankbar, fuer das war mir in deutschland geboten wird an Sicherheit und Moeglichkeiten...

 

Um langsam zum Abschluss zu kommen, kann ich noch sagen, dass Sonnenbrand auf der Lippe scheisse ist und es eine Schande ist, wenn ich mir vorstelle, dass fuer Fussballgrossveranstaltungen massenweise Strassenhunde getoetet werden. Diese leben hier ueberall einfach mit den Menschen zusammen und auf meine anfaengliche Frage, ob denn keine Gefahr von ihnen ausginge, wurde mir nur geantwortet: "Die sind friedlicher als die Menschen".

 

(Unabhaengig davon: Waehrnend es in Deutschland doch eher gute Sitte ist, einer Streitigkeit, die einen nicht betrifft, nicht mehr als einen kleinen Blick zuzuwenden, statt dem eigenen Interesse Ausdruck zu verleihen, kennen die Inder in der Hinsicht keinen Scham. Sobald es zu einem verbalen Konflikt kommt, sammelt sich eine Gruppe von Schaulustigen eng um die Beteiligten und lauscht und starrt - Herrlich! :D )

 

Mein Plan ist mich nach Radjastan zu begeben. Es soll unglaublich schoen und zugleich (insbesondere zu dieser Jahreszeit) unglaublich heiss sein. Eine Mischung aus Wueste, riesigen alten Forts und grossartiger Natur mit Seen. Vorher durchquere ich aber noch Uttarkahand, was sich noch im Himalayagebiet befindet und religioes, wie auch von der Natur her, einiges bietet.

Nunja. Ich hoffe, euch gehts gut und mein Bericht, zeigt, trotz weniger Reisebeschreibungen, dafuer aber mit meiner guten Tastatur geschrieben, wie es mir geht und was ich erlebe.

 

Beste Gruesse aus Shimla. Michael

 

PS: Ich habe neue Bilder hochgeladen. Jedes Bild muss ich uebrigens einzeln anklicken, obwohl Dropbox anderes verspricht. Wenn jemand Aushilfe weiss, bin ich sehr dankbar.

7.5.15 09:52

Letzte Einträge: India 1.0 Mumbai - 7.4, India 1.1 Mumbai - 13.4, Trekking von Shimla nach Kalpa und Chitkul Tag 1-3

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